Es ist Freitag. Abend. Die Kinder sind schneller eingeschlafen als gedacht. Hat sich also doch ausgezahlt fast 2 Stunden im Käfig herumzulaufen. Zeit, endlich den weltverändernden Podcast, der mir seit Wochen durch den Kopf geht aufzunehmen. Oder noch nicht. Kurz mal schauen was im TV läuft. Und täglich grüßt das Murmeltier. Wer kennt das nicht?
Diesmal nicht nur im übertragenen Sinn, sondern ganz real. Auf ATV. Achtung Spoiler Alarm, für alle die die großartige Komödie mit Bill Murray und Andi MacDowell noch nicht gesehen haben. Gibt es das überhaupt?
Die Erleuchtung kommt noch. Ganz sicher. Sicher.
Häufig sehen wir in Filmen wie die Hauptfigur einen Erleuchtungsmoment hat und realisiert, dass sie bisher nicht das Leben gelebt hat, das sie eigentlich leben wollte. Dem Fernsehmeteorologen Phil Connors der aus Punxsutawney berichtet geht es ganz anders. Er wacht nicht eines morgens auf und hat mit einem Mal alles verstanden. Ganz im Gegenteil. Der arme Phil muss den selben Tag hunderte Male wiederholen, bis er es endlich geschnallt hat.
"Ich bin nicht der Gott. Ich bin ein Gott."
Phil hasst es aus Punxsutawney zu berichten. Es ist unter seiner Würde und der Rummel um das Murmeltier kotz ihn an. Er ist ein Zyniker, der sich für etwas Besseres hält und eigentlich zu höheren Ehren geboren ist. Phil will raus, doch ein Schneesturm verhindert das. Am nächsten Morgen wacht er auf und der Tag des Murmeltiers beginnt von neuem. Nachdem er der Einzige ist der den Tag immer wieder erlebt und sich daran erinnert, kann er mit seinen Mitmenschen allerhand lustige Späßchen spielen. Er hat einen unfairen, gottgleichen Wissensvorsprung und kann diesen Nutzen um seine Mitmenschen zu beeindrucken, zu täuschen und zu verführen. Er hat immer Recht und kann seine Überlegenheit wieder und wieder unter Beweis stellen.
Ewig macht ihn diese Überlegenheit aber auch nicht glücklich. Sie macht ihn sogar todunglücklich und er versucht sich auf verschiedene Arten zu töten. Aber trotzdem, täglich grüßt das Murmeltier. Langsam beginnt Phil sein Verhalten zu ändern. Er könnte die Zeit ja dazu nützen etwas Neues zu lernen. Also beginnt er mit Klavierstunden, liest Bücher, wird Experte für alles mögliche und erlernt sogar das meißeln von Eisskulpturen. Mit der Zeit beginnt er auch wahrzunehmen wer Hilfe benötigt und wird aktiv, rettet Menschen das Leben und nutzt seinen gottgleichen Wissensvorsprung zum Wohle seiner Mitmenschen. So neu orientiert, wird ihm der Tag schon bald zu kurz.
Growth Mindset
Jetzt erst, wo sich nach zig Ehrenrunden, seine innere Einstellung und seine Denkweise vollständig verändert hat, wird er von seinem Fluch befreit.
So betrachtet ist der Film eine Parabel, wie sich Veränderung Zeit lassen kann. Bestimmte Denkweisen, oder Mindsets im Sinne von Carol Dweck - also statisch/fixed und dynamisch/growth - sind Teil unserer Persönlichkeit UND wir können sie verändern. Der Groundhog Day wiederholt sich sicher öfter als uns lieb ist, genauso sicher wie die ein oder andere Ehrenrunde auch schätzenswerte Momente hat.
Die nächsten, ersten kleinen Schritte
1. Auf Spotify oder Youtube nach "mindset carol dweck" suchen.
2. An den Bros und Influencern vorbeiscrollen zum Original
3. Eine Stunde genau zuhören.
4. Achtsam werden und innehalten, wenn du bei dir Verhaltensmuster der statischen Denkweise (Fixed Mindset) bemerkst.
5. Prüfen ob dir eine wachstumsorientierte Denkweise (Growth Mindset) und Verhaltensmuster besser weiterhelfen.
6. Den Captain Picard in dir zum Vorschein bringen und die Herausforderung annehmen, mit Rückschlägen rechnen, daraus lernen und dich weiter bemühen.
November 2024
